Sparkle Valley Philosophie: Abigails unmögliche Entscheidung
- 8. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Die Wahl, die die Fantasie am Leben erhält
Kommen wir nun zum vielleicht wichtigsten Teil der gesamten Reihe: Abigails unmögliche Entscheidung. Sie findet am Ende des dritten Bandes statt und hat mit dem Lebenspulver zu tun.
Was ist also das Lebenspulver? Es ist diese einzigartige Substanz, mit der man alles real werden lassen kann. Und sie übt eine besondere Anziehungskraft auf Abigail aus, denn ihr Traum ist es, Emilys leibliche Schwester zu werden. Mit diesem Pulver könnte sie diesen Traum verwirklichen. Sie malt sich eine Welt aus, in der sie Emilys Schwester ist, in der sie nicht verschwindet, wenn Emily wegschaut. Und am Ende des Buches hat sie tatsächlich die Chance, dieses Pulver zu benutzen. Das ist die Entscheidung. Aber warum ist sie „unmöglich“?
Der Bruch
Am Ende des dritten Buches zerbricht Sparkle Valley buchstäblich in zwei Hälften. Die eine Hälfte löst sich völlig von der Realität. Weitermachen. Erwachsenwerden. Die andere Hälfte verfällt in chaotische Fantasie. Ohne jeglichen Halt. Vögel sind so groß wie Elefanten und es regnet kopfüber. So oder so, Sparkle Valley ist dem Untergang geweiht.

Und Abigail erkennt das. Sie sagt es auch: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Hank die beiden Welten trennt… und wir dürfen nicht zulassen, dass Frank sie vereint. Wir müssen beide Welten bewahren und das Gleichgewicht halten.“
Hier geht es also nicht nur darum, was Abigail will, sondern darum, ob diese Welt, diese zerbrechliche Welt, die in Emilys Kopf existiert, überhaupt überleben kann.
Abigail kennt den Preis, und die Entscheidung ist klar. Sie weiß, dass Emily in die reale Welt gehört und sie selbst nicht. Doch ihre Liebe zu Emily ist stärker als das. Und nun, da Sparkle Valley kurz vor der Zerstörung steht, muss sie sich entscheiden, ob sie mit ihr geht oder nicht. Genau das macht die Entscheidung „unmöglich“.
Die Wahl
Wir sprechen von Trennung. Endgültig. Aber sie tut es. Sie schickt Emily zurück und bleibt zurück.
Dann sagt sie zu den anderen: „Ich bleibe hier.“
Und dann trifft sie die eigentliche Entscheidung. Die Entscheidung, die wirklich zählt. Sie benutzt das Pulver nicht nur nicht, sie vernichtet es. Damit die Geschichte nicht zu Ende geht.
Und genau hier kommt es ins Spiel, dass Rorty mit ins Spiel kommt, denn seine Perspektive hilft uns zu verstehen, was genau sie beschützt – und wie wichtig das ist.
Was sie beschützt
Rorty lehnt bekanntlich jede Vorstellung einer fertigen Welt ab. Seine Welt wird ständig neu geformt. Wie Abigail legt auch er Wert darauf, die Dinge offen zu lassen. Die Spannung aufrechtzuerhalten.
Und das Pulver würde all das beseitigen. Es vernichten.
Doch Abigail weigert sich. Sie trifft die „unmögliche Entscheidung“. Das größte Opfer. Obwohl sie von dem einen Ding versucht wird, von dem man annehmen würde, dass es sie zum Einlenken bringen würde. Denn sie weiß, dass damit alles, was ihr wichtig ist, zu Ende wäre. In Rortys Worten: Es würde das „Gespräch“ beenden.
Und hier kommt die Blaue Blume ins Spiel. Der Funke, jener Teil von Emily, der noch glaubt. Aber nicht als Flucht vor der Realität. Sondern in ihr. Abigail beschützt diesen Teil.
Emily wird erwachsen werden. Aber sie wird diese Verbindung und ihre Fantasie nicht verlieren. Abigails Entscheidung, zurückzubleiben, stellt das sicher.
Weiter erkunden
Wenn Sie den Charakteren folgen möchten
→ Abigail – Liebe, die weiterkämpft
→ Emily – die durch diese Entscheidung letztendlich geschützt wird
→ Hank und Frank – die beiden Extreme, die Abigail ablehnt
Wenn Sie die tieferen symbolischen Ideen erforschen möchten
→ Die blaue Blume – Sehnsucht und Staunen
→ Das Biest und das Problem des Abschlusses — warum endgültige Antworten die Bedeutung verflachen können
→ Was ist die Philosophie von Sparkle Valley? – die umfassendere Weltanschauung
Wenn Sie die praktische Seite betrachten möchten
→ Dein eigenes Sparkle Valley finden – was Abigails Entscheidung in der Realität bedeutet
→ Die Kraft der blauen Blume: Balance – Realität und Staunen im Einklang halten
→ Auf der Suche nach der blauen Blume – sich mit dem Unvollendeten auseinandersetzen.
Feldhandbuch-Notizen (Kurzübersicht)
Konzept: Abigails unmögliche Wahl – die Fantasie bewahren, ohne der Realität zu entfliehen
Kernkonflikt: Persönlicher Wunsch versus Erhalt einer lebendigen Welt
Das Pulver des Lebens: totale Macht – die Fähigkeit, eine endgültige Version der Welt zu erschaffen
Versuchung: Emilys Schwester zu werden; dauerhaft in der realen Welt zu existieren
Strukturelle Gefahr: Trennung (Verlust der Vorstellungskraft) vs. Zusammenbruch (Verlust der Verankerung)
Kernstrategie: Beide Extreme ablehnen; Spannung zwischen den Welten aufrechterhalten.
Hauptaktion: Zerstört das Pulver; beseitigt die Möglichkeit einer endgültigen Antwort
Kosten: dauerhafte Trennung von Emily; Verlust ihrer eigenen Zukunft in der realen Welt
Philosophisches Echo: Richard Rorty – Offenheit, Kontingenz, Antifinalität
Nicht Moral, sondern Struktur – die Erhaltung der Bedingungen, die es ermöglichen, dass Sinn fortbesteht
Sparkle Valley: eine Welt, die vom Glauben getragen wird und anfällig für Ungleichgewicht ist
Die blaue Blume: der innere Funke – die Fantasie, die bis ins Erwachsenenalter getragen und nicht zurückgelassen wird
Wichtigste Erkenntnis: Die Fantasie überlebt nur, solange sie mit der Realität verbunden bleibt.
Leitlinie: Die Geschichte nicht beenden




